Bürokratie-Debakel auf den Kanaren: Nur eine leerstehende Wohnung in zehn Jahren mobilisiert
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Bürokratie-Debakel auf den Kanaren: Nur eine leerstehende Wohnung in zehn Jahren mobilisiert

Das Kanarische Wohnungsbauinstitut (ICAVI) bestätigt, dass seit 2015 trotz Millionen-Budgets nur eine einzige leerstehende Wohnung erfolgreich auf den Markt gebracht wurde. Ein neues Programm mit einem Budget von einer Million Euro soll nun in zwei Jahren 100 Wohnungen aktivieren.

19. Mai 20263 Min. Lesezeitde

Ernüchternde Bilanz: Nur eine Wohnung in zehn Jahren aktiviert

Die Bemühungen, den angespannten Wohnungsmarkt auf den Kanarischen Inseln durch die Reaktivierung von Leerstand zu entlasten, haben in der letzten Dekade ein historisches Tief erreicht. Offizielle Daten des Kanarischen Wohnungsbauinstituts (ICAVI), die über das behördliche Transparenzportal veröffentlicht wurden, belegen eine deutliche Ineffizienz der bisherigen Maßnahmen: Seit dem Jahr 2015 ist es den zuständigen Stellen lediglich gelungen, ein einziges ungenutztes Objekt wieder dem Markt zuzuführen.

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Dieser isolierte Erfolg ereignete sich im Jahr 2023 in Las Palmas de Gran Canaria im Rahmen des kanarischen Wohnungsplans 2020-2025. Dass in einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren trotz der akuten Wohnungsnot nur eine einzige Immobilie mobilisiert werden konnte, verdeutlicht die Schwierigkeiten der bisherigen politischen Instrumente. Die Bestätigung dieser Zahlen durch das ICAVI unterstreicht, dass die bisherigen Programme zur Eingliederung von privatem Leerstand in den Mietmarkt praktisch keine Wirkung entfalteten.

Die Ursachen für das administrative Scheitern

Die Verantwortlichen der kanarischen Regierung räumen mittlerweile ein, dass die bisherigen Programme an ihrer eigenen Komplexität gescheitert sind. Das öffentliche Unternehmen Visocan sollte ursprünglich als Akteur fungieren, doch die rechtlichen und bürokratischen Hürden erwiesen sich als nahezu unüberwindbar. Der zuständige Wohnungsbauminister, Pablo Rodríguez, bezeichnete die bisherigen Ansätze offen als Fehlschlag. Er erklärte, dass das Vorhaben der autonomen Regierung, über Visocan als Vermieter in einem komplexen Verfahren aufzutreten, in der Praxis kaum umsetzbar war.

Ein Bericht der regionalen Bürgerbeauftragten (Diputación del Común) aus dem Jahr 2023 verdeutlicht das Ausmaß der bürokratischen Blockade:

  • Insgesamt wurden lediglich 85 Immobilien für das Programm angeboten.
  • Davon befand sich zum Zeitpunkt des Berichts nur ein einziges Objekt in Vermietung.
  • Eine weitere Immobilie stand kurz vor der Eingliederung.
  • Sechs Objekte befanden sich in der Bearbeitung.
  • Der überwiegende Teil – insgesamt 77 Fälle – wurde archiviert und somit nicht weiterverfolgt.

Besonders auffällig ist der finanzielle Aufwand im Verhältnis zum Ergebnis: Obwohl für diese Zwecke ein Budget von acht Millionen Euro bereitgestellt worden war, blieb der reale Nutzen für die Bevölkerung aus. Die Behörden führen dies auf diverse Schwierigkeiten bei der Auslegung der Regelungen zurück, die das Programm steuerten.

Neustart mit veränderten Zielsetzungen

Nach der Analyse der vergangenen Ergebnisse hat die kanarische Regierung nun eine neue Initiative angekündigt. Mit einem Budget von einer Million Euro aus öffentlichen Mitteln sollen nun erreichbare Ziele verfolgt werden. Die aktuelle Planung sieht vor, innerhalb der nächsten zwei Jahre 100 leerstehende Wohnungen zu aktivieren.

Falls dieses neue Modell nach der ersten Phase verlängert wird, könnten die Gesamtkosten für weitere zwei Jahre auf etwa 1,86 Millionen Euro ansteigen. Das ICAVI geht davon aus, dass dieses neue Programm aufgrund der Erkenntnisse aus den Fehlern der Vergangenheit eine effektivere Entwicklung des Wohnungsmarktes ermöglichen wird. Die Reduzierung der Komplexität steht dabei im Fokus, um die bisherige Handlungsunfähigkeit bei der Mobilisierung von privatem Wohnraum zu überwinden.

Was bedeutet das für Leser in Spanien?

Die aktuelle Situation zeigt, dass staatliche Initiativen zur Mobilisierung von leerstehendem Wohnraum auf den Kanaren bisher kaum Einfluss auf das Angebot hatten. Immobilieneigentümer, die überlegen, ihre Objekte über öffentliche Programme zur Verfügung zu stellen, müssen abwarten, ob das neue 100-Wohnungen-Modell die bürokratischen Hürden tatsächlich senkt. Für Wohnungssuchende bedeutet die Bilanz der letzten zehn Jahre, dass eine Entlastung durch staatlich reaktivierten Leerstand bisher nicht stattgefunden hat und die neuen Pläne erst noch ihre Wirksamkeit beweisen müssen. Die Abhängigkeit vom privaten, nicht staatlich geförderten Mietmarkt bleibt somit vorerst bestehen.

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