Pflege-Limbo auf den Kanaren: 15.000 Betroffene warten trotz Anspruch auf Hilfe

Pflege-Limbo auf den Kanaren: 15.000 Betroffene warten trotz Anspruch auf Hilfe

Auf den Kanarischen Inseln stagniert die Hilfe für Pflegebedürftige. Trotz offizieller Anerkennung erhalten über 15.000 Betroffene keine Leistungen, da es an Dienstleistern und öffentlichen Plätzen mangelt. Die Wartezeit beträgt im Schnitt fast ein Jahr.

19. Mai 20262 Min. Lesezeitde

Stillstand bei der Pflegehilfe: Tausende Kanaren-Bewohner warten vergeblich

Trotz offizieller Erfolgsmeldungen der Regionalregierung bleibt die Situation für pflegebedürftige Menschen auf den Kanarischen Inseln prekär. Aktuelle Daten verdeutlichen eine tiefe Kluft zwischen dem theoretischen Anspruch auf Unterstützung und der tatsächlichen Auszahlung von Leistungen. Das sogenannte „Limbo der Pflegebedürftigkeit“ – ein Zustand, in dem Betroffene zwar als pflegebedürftig anerkannt sind, aber dennoch keine Hilfe erhalten – betrifft derzeit über 15.000 Personen im Archipel.

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Fast ein Jahr Wartezeit bis zur Bewilligung

Die bürokratischen Mühlen auf den Inseln mahlen langsam. Wer heute einen Antrag auf Pflegeleistungen stellt, muss sich auf eine langwierige Geduldsprobe einstellen. Im Durchschnitt vergehen auf den Kanaren 354 Tage, bis von der ersten Antragstellung bis zur endgültigen Bewilligung der Hilfe entschieden wird.

Besonders alarmierend sind die Zahlen des IMSERSO (Institut für Senioren und Sozialdienste) für den Monat April:

  • Insgesamt befinden sich 15.336 Personen in der Warteschleife.
  • Davon warten 555 Personen bereits seit mehr als sechs Monaten auf eine Reaktion.
  • Bei 14.386 Betroffenen ist die Leistung zwar theoretisch bewilligt, kann aber aus Gründen, die laut Behörden nicht direkt der Verwaltung zuzuschreiben sind, nicht effektiv ausgezahlt oder genutzt werden.

Das Problem der fehlenden Infrastruktur

Ein Hauptgrund für das Stocken des Systems liegt in der Art der gewährten Hilfen. Häufig handelt es sich um zweckgebundene Leistungen, die an die Inanspruchnahme eines professionellen Dienstleisters gekoppelt sind. Hier offenbart sich ein massiver Mangel: Es gibt auf den Inseln schlichtweg nicht genügend Unternehmen, die diese Dienstleistungen anbieten können.

Die zuständige Regionalrätin für soziale Wohlfahrt, Candelaria Delgado, räumte bei der Unterzeichnung von Abkommen für den häuslichen Pflegedienst (SAD) auf Teneriffa, La Gomera, Lanzarote und Fuerteventura ein, dass dies eine der größten Schwachstellen sei. Viele anerkannte Leistungsempfänger könnten ihre Ansprüche nicht geltend machen, weil der Markt an privaten Pflegediensten gesättigt ist.

Finanzielle Lücke und fehlende öffentliche Plätze

Kritik kommt auch von Experten und ehemaligen Verantwortlichen der Pflegeabteilung. Das Problem sei zweigeteilt:

  1. Überlastung privater Anbieter: Sowohl Pflegedienste als auch private Seniorenresidenzen führen lange Wartelisten.
  2. Finanzielle Diskrepanz: Selbst wenn ein Platz in einer privaten Einrichtung gefunden wird, reichen die staatlichen Zuschüsse oft nicht aus. Wenn eine betroffene Person beispielsweise 800 Euro an Unterstützung erhält, die Kosten für einen Heimplatz jedoch zwischen 2.500 und 3.000 Euro liegen, bleibt die Hilfe für viele Familien unerschwinglich.

Ohne den massiven Ausbau öffentlicher Plätze in Tageszentren und sozialmedizinischen Einrichtungen werden die ausgestellten Pflegebescheide (PIAS) für viele Betroffene weiterhin wirkungslos bleiben.

Was bedeutet das für Leser in Spanien?

Für Residenten auf den Kanarischen Inseln, die für sich oder Angehörige Pflegeleistungen beantragen möchten, ist eine frühzeitige Planung essenziell. Da die Wartezeit fast ein Jahr beträgt, sollte der Antrag bereits bei den ersten Anzeichen von Pflegebedürftigkeit gestellt werden.

Zudem ist wichtig zu wissen:

  • Die Anerkennung der Pflegebedürftigkeit ist nur der erste Schritt.
  • Die Suche nach einem verfügbaren und zugelassenen Dienstleister sollte parallel zum Antragsprozess beginnen, da die Kapazitäten auf Inseln wie Lanzarote, Fuerteventura oder La Gomera stark begrenzt sind.
  • Man sollte prüfen, ob die bewilligte Summe die tatsächlichen Kosten privater Anbieter decken kann, da öffentliche Plätze derzeit Mangelware sind.
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